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2018-01-09    1
Ulrich Frese

Weißwangengans mit Pfeil im Kopf
Hallo zusammen,

Lothar Wierschowski, einem Bekannten von mir, glückte am 8. Januar am Moorhauser Polder bei Oldenburg rein zufällig das beiliegende Foto. Da Weißwangengänse in Gegenden, wo üblicherweise noch mit Pfeil und Bogen gejagt wird, weder Brüten noch überwintern, erhebt sich die Frage: Wie kommt das Ding (ist es denn überhaupt ein Pfeil?) in den Kopf der Gans?

Auf plausible Erklärungsversuche freut sich

Uli Frese






2018-01-09    2
Ulrich Frese

Weißwangengans mit Pfeil im Kopf
Als einleuchtende Erklärung nannte mir Johannes Kelschebach gerade den Bolzen einer neuzeitlichen Armbrust. Kommt von der Länge hin und würde auch die etwas abgerundete Spitze erklären. Könnte im Brutgebiet aber auch in unseren Breiten stattgefunden haben. Auf jeden Fall eine recht üble Sache.


2018-01-09    3
Thomas Kuppel

Weißwangengans mit Pfeil im Kopf
Moin,

was spricht denn gegen einen Pflanzenstängel o.ä. von der letzten Mahlzeit? Das Ding scheint einen Knick zu haben und weht genau in Flugrichtung mit - meine ich zu erkennen.

Gruß, Thomas.


2018-01-09    4
Ulrich Frese

Weißwangengans mit Pfeil im Kopf
Ein Pflanzenstängel müsste aus dem Schnabelwinkel kommen, das Objekt kommt aber deutlich davon entfernt aus eimer Wunde. Ein Blick auf eine Nahaufnahme eines WWG-Kopfes macht dies deutlich.

Hier zum Verständnis ein Link:

http://www.bastianwehler.de/uploads/pics/nonnengans-IMG_6324_be-2.jpg

Der Schnabelwinkel kann unmöglich ganz von weiß umgeben sein.

[bearbeitet am 2018-01-09]


2018-01-10    5
Ralf Aumüller

Weißwangengans mit Pfeil im Kopf
Hallo,

ich kann weder die Existenz einer Wunde noch diejenige eines Geschosses - sei es nun ein Pfeil oder der Bolzen einer "neuzeitlichen Armbrust" - so richtig nachvollziehen. Im Gegensatz dazu scheint mir die von Thomas angebotene Erklärungsalternative zunächst mal plausibel.
Die vorweggenommene Deutung "auf jeden Fall eine recht üble Sache" würde sich dann vielleicht ja schon in Schluckauf oder Mundgeruch der Gans erschöpfen? Eine möglicherweise angedachte Fahndung nach einem herzlosen Zweibeiner (ggf. mit Fetisch für Fellklamotten o.Ä.) in den Gestaden der dunklen Oldenburger Moore mit Lust auf Gänsebraten am post-antiken Lagerfeuer könnte sich dann erübrigen?!?
Wie auch immer - hoffen wir mit Blick auf die eingangs gestellte Frage darauf, dass "das Ding" wieder raus aus dem Gänsekopf kommt!

Gruß

RA

[bearbeitet am 2018-01-10]


2018-01-10    6
Ulrich Frese

Weißwangengans mit Pfeil im Kopf
Ein ganz toller Kommentar! Aber lieber gleich zur Sache: Die aufgekommene Idee mit dem Armbrustbolzen kann ad acta gelegt werden, nachdem genauere Recherchen ergeben haben, dass diese Bolzen einfach anders aussehen und aus Materialien bestehen, die ein Abknicken - wie im Foto zu sehen – unmöglich machen würden. Und damit sind auch meine (der zunächst plausibel erscheinenden Deutung geschuldeten) indirekten Schuldzuweisungen gegenüber anonymen schießwütigen Bösewichtern obsolet.

Um was es aber eigentlich geht: Kann es sich bei dem, was rein optisch als bisher undefiniertes Objekt im vorderen Wangenbereich der Gans zu stecken scheint, um im Schnabel hängende Pflanzenteile handeln, wie Thomas mutmaßte? Um darauf eine Antwort zu finden, bitte mal ganz unaufgeregt dem Link zur Nahaufnahme eines WWG-Kopfes folgen oder ein x-beliebiges anderes Foto zu Rate ziehen. Dort wird deutlich, dass zwischen dem Schnabelwinkel und dem restlichen Schnabel unmöglich weiß befiederte Bereiche auftauchen können – der Schnabel ist nun mal schwarz. Zwischen unserem bisher undefinierten Objekt und dem Schnabelwinkel der Gans ist aber unschwer ein beträchtlicher weißer Bereich zu erkennen. Nach simpler Logik würde dies bedeuten, dass der stabförmige Fremdkörper nicht im Schnabel der Gans stecken kann (es sei denn, der Schnabelwinkel der Gans wurde mit Teufelsgewalt durch den Fremdkörper weit nach hinten gezogen und weiße Federpartien hätten den entstehenden Spalt abgedeckt).

Dies ist das eine. Das andere betrifft die optische Erscheinung des Rätselobjektes. Von der (Hypothese) Eintrittsöffnung (= Wunde) knickt (Realität) das stabförmige Objekt nach unten bzw. im Flug nach hinten ab (vielleicht bleibt die Position aber auch unverändert, wer weiß das schon). Dieser bolzgerade, am Ende geschlossene und abgerundete „Stab“ macht es mir schwer, darin ein Pflanzenteil zu erkennen. Ein Halm sieht anders aus, ist am Ende offen und/oder weist dort Bruchstellen auf.

Abschließend noch die Bemerkung, dass ich zu dem ganzen Komplex nach wie vor keine vorgefasste Meinung habe. Sinn und Zweck dieses Posts war, Erklärungen für ein recht rätselhaftes Foto zu finden, was auch bedeutet, das ich selbst keine Erklärung habe. Über Beiträge, die meine Einwände entkräften, würde ich mich genau so freuen wie über neue Ansätze.


2018-01-10    7
Ralf Aumüller

Weißwangengans mit Pfeil im Kopf
Vielen Dank für deine Klarstellung Uli!

Eine mögliche Jagd nach einem potenziellen Phantom steht also nicht zu befürchten.

Entspannten Gruß

RA

[bearbeitet am 2018-01-10]


2018-01-10    8
Jochen Dierschke

Weißwangengans mit Pfeil im Kopf
Da wo der Schnabel ztu Ende ist kommt aber auch noch der Schnabelwinkel. Wenn ich mir das Bild hier ansehe:

i2.wp.com/www.guildford-dragon.com/wp-content/uploads/2016/10/Barnacle-goose-at-Farlington.-2.jpg

Da würde ein Halm/Pfeil (was es ist, kann ich nicht erkennen) schon so passen, dass da noch Weiß zwischen Objekt und Schnabel passen würde. Ob das aber des Rätsels Lösung ist, weiß ich auch nicht!


2018-01-11    9
WA

Weißwangengans mit Pfeil im Kopf
Die für eine genaue Beurteilung zu geringe Auflösung des Fotos lässt natürlich Interpretationsspielraum. Für mich sieht das Objekt aber aus, als hätte es an der Eintrittsstelle am Schnabelwinkel einen Knick mit Verdickung. Da bliebe als Erklärung nur der Knoten eines Stängels einer Pflanze. Ein Pfeil dieser Form trifft nicht oder hätte einen Knick mit Abspiltterungen. Kann die Gans nicht einfach beim Fressen gestört worden sein und hat deswegen noch einen Teil aus dem Schnabel hängen? Dann ist eben die Haut im Schnabelwinkel durch Gewicht und Luftwiderstand des Stängels etwas nach hinten gezogen, bis zum Kiefergelenk bleibt noch viel Platz.


2018-01-11    10
Ulrich Frese

Weißwangengans mit Pfeil im Kopf
Heute bin ich auf ein Foto gestoßen, das die Diskussion vielleicht erleichtern könnte. Zumindest verdeutlicht es anschaulich, worüber wir gerade reden.

https://www.google.de/search?q=wei%C3%9Fwangengans+bilder&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=0ahUKEwj57Mz2-M_YAhXiCpoKHTdJBiwQ7AkIRw&biw=1920&bih=929#imgrc=vEBNNG12I-y-7M:

So sieht eine Weißwangengans aus, die ein festes Pflanzenteil im Schnabelwinkel trägt. Da stellt sich die Frage: Wie viel Kraftaufwand (Dehnung des Schnabelwinkels) wäre nötig, dieses Teil an die Position zu bringen, die der in „unserem“ Foto entspricht? Selbst wenn es die Größe unseres Rätselteiles besäße: Genügt dazu der Fahrtwind? Und falls ja: Warum zeigt sich in unserem Foto rechts von dem Teil ein geschlossener weiß befiederter Bereich? Da müsste dann doch zumindest ein bis zum Schnabel reichender Spalt zu sehen sein. Weiter: Was sollte eine Weißwangengans, die in den Winterquartieren auf Grasflächen zu äsen pflegt, veranlassen, solch ein sperriges Teil in den Schnabel zu nehmen? Als Nahrungsquelle ist es doch denkbar ungeeignet.

Kurz: Ich kann mir immer weniger vorstellen, dass unsere Gans das Rätselteil im Schnabel trägt. Aber vielleicht gibt es ja nach wie vor auch Gegenargumente.

Aus Gründen des Copyrights habe ich davon abgesehen, das Photo im Club hochzuladen. Sollte es mit dem Link (etwas warten, bis die Weiterleitung zum Foto abgeschlossen ist) nicht funktionieren, sende ich es auf Wunsch gern per eMail weiter.

[bearbeitet am 2018-01-11]


2018-01-11    11
Luca Cords

Weißwangengans mit Pfeil im Kopf
Zitat Ulrich Frese

Da stellt sich die Frage: Wie viel Kraftaufwand (Dehnung des Schnabelwinkels) wäre nötig, dieses Teil an die Position zu bringen, die der in „unserem“ Foto entspricht? Und falls ja: Warum zeigt sich in unserem Foto rechts von dem Teil ein geschlossener weiß befiederter Bereich? Da müsste dann doch zumindest ein bis zum Schnabel reichender Spalt zu sehen sein.

Da gäbe es noch eine andere, recht simple Möglichkeit: Der Fremdkörper, egal ob Pflanzenteil oder Müll, könnte über eine sehr dünne Faser, die sich auf den Bildern nicht erkennen lässt, mit dem Schnabel verbunden sein (Pflanzenfaser, Nylonschnur usw.). Wenn sich im Schnabel/Rachen etwas verheddert hat, ist es für den Vogel auch viel schwieriger, den Gegenstand wieder loszuwerden.


2018-01-12    12
Ulrich Frese

Weißwangengans mit Pfeil im Kopf
Passt! Solch eine Schnur kann sich bei der Nahrungsaufnahme leicht in den feinen Zähnen des Schnabels verheddern. Super Idee, die vor allem in keinerlei Widerspruch mehr zu dem Foto steht, bei dessen nochmaliger Betrachtung man sich gut vorstellen kann, dass der Gegenstand frei im Wind flattert. "Weißwangengans mit Schnur im Schnabel" hätte dann - wenn die Deutung durch Luca richtig ist - wenig spektakulär der Titel des Beitrags lauten müssen. Aber dann hätte wohl keiner draufgeklickt. So aber wurde es eine interessante Diskussion, die letztlich zu einer plausiblen Erklärung geführt hat - so sehe ich es wenigstens.


2018-01-13    13
WA

Weißwangengans mit Pfeil im Kopf
Und weil das Objekt frei beweglich in der Strömung "flattert", sehen wir auch so unglaublich viel Bewegungsunschärfe, speziell am freien Ende, und das Foto ist rein zufällig just in dem winzigen Moment entstanden, in dem es halsparallel ausgerichtet war? Wie kurz war denn die Belichtungszeit? Gibt es eine Bilderserie? Wurde die so "markierte" Gans wiedergefunden?

Die Erklärung "Pflanzenrest im Schlund" ist die einfachste. Für die Aufklärung einer nicht völlig auszuschließenden komplexeren Lösung reicht das Foto eben nicht.

Bereits die Existenz von Nessi oder Yeti wurde gerade durch die etwas unschärferen Fotos am plausibelsten nicht widerlegt;-)


2018-01-15    14
Ulrich Frese

Weißwangengans mit Pfeil im Kopf
Die Deutung „Pflanzenteile direkt im Schnabel“ sollte doch nun vom Tisch sein, weil sie mit dem Foto definitiv nicht in Einklang zu bringen ist. Die von Luca Cords vorgebrachte Lösung dagegen schon. Nach dieser Auslegung ist das stabförmige Objekt durch eine Faser oder Schnur fest mit dem Schnabel verbunden, was bedeutet: Das Objekt ist frei beweglich. Steht die Gans bei Windstille ruhig, hängt es schlaff herunter, kommt der Wind von hinten, bewegt es sich nach vorn, fliegt die Gans, wird es durch den Windwiderstand nach hinten gezogen und gerät in die Waagerechte – und zwar permanent, so dass man zum Fotografieren keinen günstigen Moment braucht. Ob es dabei vertikal oder horizontal ein wenig flattert (beides durch die windschlüpfrige Form eher weniger), ist unerheblich, denn die Amplitude am hinteren Ende wäre bei der Kürze des Objektes so gering, dass sich die waagerechte Position kaum verändern würde. Möglich ist ja auch, dass das Teil stabil in der Luft gelegen hat. Wer es ganz genau wissen will, mache Feldversuche auf dem Fahrrad. Bei einer aufgrund des hellen Himmels geschätzten Belichtungszeit von 1/2000 sec. (das Foto stammt nicht von mir) sollte es auf keinen Fall ein Schärfeproblem gegeben haben.

Natürlich handelt es sich auch bei dem von Luca vorgetragenen Lösungsansatz lediglich um eine Hypothese, gegen die theoretisch allerdings nichts einzuwenden ist. Was wirklich war, werden wir nicht herauskriegen. Deshalb soll für mich jetzt auch Schluss sein.

Wer Lust hat möge weiter diskutieren.