Die Mantelfärbung deutscher Heringsmöwen Larus fuscus
Andreas Noeske
Heringsmöwe (© Andreas Noeske)
ABSTRACT Between 17th May and 15th June 1986 62 adult Lesser Black-backed Gulls Larus fuscus were caught in a breeding colony on Amrum (54° 42' 21.61" N, 08° 21' 4.00" E) situated in the German Wadden Sea of Schleswig-Holstein. Mantle colour was assessed visually under laboratory conditions by comparing feathers taken from the scapulars and greater coverts with the Munsell Neutral Value Scale and Kodak Grayscale.
The variation according to Munsell ranges from 1.75 to 3.5 (arithmetic mean = 2.85, median = 3.0, modal value = 3.0; average of all three values = 2.95). The variation according to Kodak ranges from 9.7 to 16 (arithmetic mean = 12.1, median = 11.3, modal value = 11.0, average of all three values = 11.5). 46 birds (= 74.2%) show grey values between 11 and 13 typical of intermedius. 18 birds (= 29.0%) show a grey value of 13 or darker which is within the range of fuscus. Eleven gulls (= 17.7%) show a grey tone of 14 or darker which is close to the mean value of fuscus.
Variation, distribution and mean value of mantle coloration characterize the Amrum gulls as intermedius-birds. This is in accordance with the mitochondrial-genetic population structure found by Liebers & Helbig (2002) as the haplotype composition of Amrum Lesser Black-backed Gulls is close to intermedius from southern Norway. In standard body measurements the birds from the Schleswig-Holstein coast resemble graellsii and intermedius closest (Noeske 1989). One bird (Arnhem 5105925, Munsell 3.0, Kodak 11.7) was ringed as nestling on Terschelling, Holland on 12th July 1976. This bird as well as the high proportion of dark-mantled gulls indicate the influence of Dutch and southern Scandinavian birds on the colonies of the German North Sea coast.
Clearly distinctive was a black-mantled gull with a Munsell grey value of 1.75 (Kodak 16). This individual belongs to the darkest Lesser Black-backed Gulls ever recorded. Such black-mantled, long-winged and small Lesser Black-backed Gulls have been widely considered as North-Scandinavian or Baltic fuscus-birds. Such adult birds found in intermedius-colonies might be immigrants from the fuscus range but the bulk of such dark-mantled birds is more likely to have hatched within the intermedius-range and such individuals might be indistinguishable from fuscus all year round. The gene flow across subspecies "boundaries" defined by taxonomists results in a mixture of characters so that neither one single character nor a multiple character approach is diagnostic of fuscus. The criteria for identifiying adult fuscus in late August/September given by Jonsson (1998) are regarded as insufficient in a western European context.
Due to problems with the separation of fuscus from intermedius the Dutch Rarities Committee CDNA has removed all former claims of 'Baltic Gull' after review. Now only ringed fuscus of proven provenance are considered acceptable, i.e. birds ringed as chick on the breeding grounds (van der Vliet et al.). The British Birds Rarities Committee BBRC is in full agreement with the CDNA that on current knowledge fuscus cannot be identified in the field as a vagrant in western Europe although Jonsson's criteria may well be applied in the Baltic region (Colin Bradshaw pers. comm.).
The range of mantle colour given for intermedius by Jonsson (1998), Malling Olsen & Larsson (2003) and Howell & Dunn (2007) does not describe the variation in intermedius-colonies properly. Also the overlap in mantle colour between fuscus and intermedius given by Jonsson (1998) is not representative. The variability of the Amrum Lesser Black-backed Gulls is in full accordance with the findings by Barth (1966, 1968) and the description of intermedius given by Glutz von Blotzheim & Bauer (1982).
Spekulationen über die Zuordnung der im Bereich der Deutschen Bucht brütenden Heringsmöwen
Larus fuscus reißen bis heute nicht ab, denn die Population der Küsten zwischen Dänemark
und Spanien ist in Bezug auf das Hauptunterscheidungsmerkmal Mantelfärbung nicht einheitlich. In den
Kolonien der Niederlande und Deutschlands werden seit langem Vögel mit auffällig hellem und sehr
dunklem Mantel beobachtet. Dies gab Anlass zu Vermutungen über deren Herkunft aus Brutgebieten
sowohl der westlichen/britischen als auch der intermediären südskandinavischen Population und sogar
der schwarzmanteligen Nominatform. Dabei wirkt die Anwendung von Unterartnamen auf hell- und
dunkelgraue sowie schwarzmantelige Heringsmöwen durch Vogelbeobachter heute noch oftmals
übermäßig selbstsicher, hilfesuchend oder sogar ahnunglos. Dies hat selbst bei Autoren in Verbindung
mit zum Teil irrigen Vorstellungen vom Aussehen der drei in Mitteleuropa auftretenden Unterarten zu
einem verwirrenden Kaleidoskop an Meinungen über das Vorkommen dieser Möwen geführt (Tinbergen
1929, van Dobben 1931, Goethe 1951, 1957, Barth 1966, 1968, 1975, Hausmann 1969, Busch 1974,
Hanoldt 1974, Glutz von Blotzheim & Bauer 1982, Meier & Todt 1985, Zang et al. 1991, Liebers 2000,
Svensson et al. 2000, Liebers & Helbig 2002, Wernham et al. 2002, Pfeifer 2003, Bauer et al. 2005,
AERC ohne Datum). Ursache hierfür ist die jahrelange Unklarheit über die taxonomische Stellung von
intermedius sowie die z.T. vereinfachten Darstellungen in Bestimmungsbüchern in
Zusammenhang mit falschen Vorstellungen vom Unterartbegriff.
Abb. 1: Heringsmöwe Larus fuscus, Helgoland, 5. Juni 2007 (© Stefan Pfützke).
Vergleiche mit http://cyberbirding.uib.no/photo/l_fuscus_04.php und http://www.pbase.com/arieouwerkerk/image/58882008
Abb. 2: Heringsmöwe Larus fuscus, Helgoland, Juni 2006 (© Gabriel Schuler).
Abb. 3: Heringsmöwe Larus fuscus, Helgoland, Juni 2007 (© Axel Halley).
Abb. 4: Heringsmöwe Larus fuscus, Helgoland, 9. Juni 2006 (© Sven
Achtermann).
Vergleiche mit http://www.wildbirdgallery.com/images/birds/larus_fuscus/graellsii.htm
Abb. 5: Heringsmöwe Larus fuscus, Helgoland, Juni 2007 (© Axel Halley).
Siehe auch http://www.netfugl.dk/pictures.php?id=showpicture&picture_id=10757
Busche & Berndt (1982) wiesen bereits frühzeitig darauf hin, dass mit dem wachsenden Brutbestand in
Schleswig-Holstein der Unterartfrage dringend nachgegangen werden sollte. So gehen Malling Olsen
& Larsson (2003: 372) immer noch davon aus, dass der subspezifische Status im Bereich
südwestliches Dänemark, Schottland und Niederlande unsicher ist. Glutz von Blotzheim & Bauer
(1982) ließen deshalb die Frage nach der Unterartzugehörigkeit offen, da vor der wahrscheinlich
richtigen Zuordnung zu
intermedius eine eingehende Untersuchung der westeuropäischen
Festlandpopulation von Westjütland bis Spanien angezeigt wäre. Nach Haffer (1985) sind
Subspezies-Namen als taxonomisches Hilfsmittel durchaus nützlich und vertretbar, wichtiger aber ist
eine statistisch-quantitative regionale Analyse der geographischen Variation mit möglichst genauer
kartographischer Darstellung der Ergebnisse. Eine auf Nachvollziehbarkeit aufbauende sachliche
Beurteilung der Mantelfärbung zusammen mit neuen Erkenntnissen aus der molekularen
Populationsgenetik des Silber-Heringsmöwen-Komplexes
Larus argentatus/fuscus bleiben
hierbei der Schlüssel zum Verständnis der Beziehungen des schleswig-holsteinischen Brutbestandes
der Heringsmöwe zu den Nachbarpopulationen im Norden, Osten und Westen. Dieser Beitrag fasst die
Ergebnisse zur Mantelfärbung in einer Heringsmöwen-Kolonie auf Amrum zusammen und schließt
damit die Datenlücke in der Inneren Deutschen Bucht. Darüber hinaus wird eine Einschätzung
abgegeben, inwieweit Vögel mit Merkmalen von
fuscus und
graellsii in der Deutschen
Bucht tatsächlich diesen Taxa zugeordnet werden können.
Material und Methode
Zwischen dem 17. Mai und 15. Juni 1986 wurden im NSG Amrum-Odde (54° 42' 21.61" N, 08° 21' 4.00" E,
Google Maps) 62 adulte Heringsmöwen auf dem Nest
gefangen und von mir gewogen und vermessen. Für die Grauwertbestimmung wurden von jedem Vogel mehrere
Federn aus dem Bereich der Schultern und Großen Flügeldecken gesammelt und in einem Briefumschlag für die
spätere Untersuchung aufbewahrt. Eine verläßliche Beurteilung der Mantelfärbung, wie sie für diese vergleichende
Darstellung erforderlich ist, ist im Feld bei nicht gefangenen Vögel unmöglich. Bei starker Bewölkung sahen
Amrumer Vögel, die weit entfernt standen, meist einheitlich schwarz aus. Bei sehr starker Sonneneinstrahlung
wirkten die Vögel durch starke Reflektionen an der Federstruktur meist zu hell. Alle Grauwertbestimmungen
wurden daher von mir zu Hause visuell durch den Vergleich mit der Munsell Neutral Value Scale durchgeführt
(Glossy, 37-Step Scale, 1971 Edition der Munsell Color Company, Baltimore, Maryland, als Beilage enthalten in
Munsell Color Company 1966). Außerdem wurden die Federn mit dem Farbatlas von Munsell (1929) verglichen und
fotografisch dokumentiert (Schwarz-Weiß Film Ilford FP 4, geblitzt).
Im März 2007 wurden die vor Lichteinflüssen geschützt aufbewahrten Federn erneut mit einer Munsell Neutral
Value Scale verglichen (Matte Edition, 31-Step Scale, Abb.6). Im Gegensatz zu der 1986 verwendeten Ausgabe
ist die Grauskala dieses Farbfächers von 2/ bis 9.5/ in viertel Schritten eingeteilt, wodurch eine präzisere
Bestimmung möglich ist. Der Fehler ist nach eigener Einschätzung kleiner als +/- 0,25.
Abb. 6: Munsell Neutral Value Scale, Matte Edition, 31-Step Scale, Farbstandards.de.
Bei der visuellen Grauwertbestimmung wurden mindestens 2-3 Federn übereinander gelegt und auf die Grautafeln
angedrückt. Durch das Übereinanderlegen von mindestens zwei Federn wurden Verhältnisse geschaffen, die der
natürlichen Federlage beim Vogel entsprechen. Außerdem wurde damit verhindert, dass bei einer Feder der
durchscheinende Untergrund die Beurteilung beeinflußt. Dabei ist es notwendig, den Betrachtungswinkel so zu
verändern, dass Spiegelungen durch die Federstruktur vermieden werden und sich die distale Hälfte der
Außenfahne möglichst mit dem Grauton auflöst. Die Bestimmung wurde bei natürlichem Tageslicht ohne direkte
Sonneneinstrahlung vorgenommen. Das Munsell-Farbensystem wurde auch von Barth (1966) in seiner
grundlegenden Arbeit für die exakte Grauwertbestimmung an Museumsbälgen verwendet.
Darüber hinaus wurde der Grauwert mit der Kodak Grayscale bestimmt, die auch von Jonsson (1998) und Malling
Olsen & Larsson (2003) bei Heringsmöwen verwendet wurde. Diese Grauwertbestimmung wurde von Andreas
Buchheim, Martin Gottschling und mir gleichzeitig und unabhängig durchgeführt. Bei 38 Vögeln (= 61%) wurde
Übereinstimmung in der Beurteilung erreicht (z.B. "11,11,11"), bei 24 Vögeln (= 39%) gab es eine Abweichung
(z.B. "9,10,10"). Für die Auswertung wurde der Mittelwert aus diesen drei Beurteilungen gebildet. Andere
Beurteilungen wie etwa "10,11,12" oder "13,15,15" gab es nicht. Der Fehler bei dieser dreifachen Beurteilung kann
als < 0,5 angesehen werden.
Für die Einstellung der Grauwerte in den Farbtafeln wurde die Mantelfärbung mit der
CGI simulation of Kodak Grayscale
verglichen und in Photoshop nach dem L- und B%- Wert sowie der Farbsättigung so eingestellt, dass nach
meinem Eindruck die Unterschiede zwischen der darzustellenden Mantelfärbung und der Kodak-Skala am
geringsten sind, dabei aber ein natürlicher Feldeindruck entsteht, der sich durch die neutralen Grautöne nicht
ergibt. In der Hand haben die Federn einen mehr oder weniger deutlichen Braunton, an der Küste dagegen wirkt
der Mantel oft leicht blau(grün)stichig. Die Farbsättigung in den Abbildungen wurde den Feldbedingungen und
durch den Vergleich mit Fotos angepasst.
Abb. 7: Einstellung der Mantelfärbung in den Farbtafeln für alle Graustufen der Heringsmöwe
nach der Kodak Grayscale (© Andreas Noeske).
Ergebnisse
Die geografische Variation ist vor allem in der Mantelfärbung deutlich (Abb.8). Der Mantel ist bei den
graellsii-Populationen am hellsten. Die
fuscus-Populationen wirken nahezu einheitlich
schwarz. Die
intermedius-Population Südskandinaviens nimmt eine Mittelstellung ein. Ihre
Mantelfärbung zeigt eine besonders hohe Variabilität, so dass in Brutkolonien dieser Unterart sowohl
hellgraue als auch schwarze Vögel auftreten, die jeweils den Vögeln der britischen bzw. baltischen
Unterart gleichen. Sie ist im Mittel aber sowohl von den britischen Heringsmöwen als auch von den
Vögeln der Nominatform deutlich verschieden (Voous 1963, Glutz von Blotzheim & Bauer 1982).
Abb. 8: Heringsmöwen Larus fuscus mit Mantelfärbungen, die ungefähr die
durchschnittlichen Unterschiede zwischen graellsii, intermedius und fuscus wiedergeben (©
Andreas Noeske).
Amrumer Grauwerte nach Kodak
Nach Jonsson (1998) und Malling Olsen & Larsson (2003) haben die drei Unterarten folgende Kodak-
Werte:
fuscus 13-17, Mittelwert = 14,4 (13-15 nach Howell & Dunn 2007);
intermedius 11-13, Mittelwert = 11,7;
graellsii 8-10(11) (9-11 nach Howell & Dunn 2007), Mittelwert ~9 für den Süden Englands
(Klaus Malling Olsen in litt.).
Amrumer Heringsmöwen variieren von 9,7-16 (
Mittelwert =
12,1;
Median = 11,3;
Modalwert = 11,0,
"11,11,11" bei 25 Vögeln = 40%) und weisen damit Grauwerte auf, die sowohl bei
graellsii als
auch bei
fuscus vorkommen. Alle drei Werte ergeben einen "gemittelten Mittelwert" von 11,5.
Die große Mehrheit (46 Vögel = 74,2%) weist mit "11,11,11" bis "13,13,13" typische
intermedius-Grauwerte auf. 18 Vögel (= 29%) haben einen Kodak-Wert 13 oder dunkler und
liegen damit innerhalb der für
fuscus beschriebenen Variationsbreite. Elf Vögel (= 17,7%)
wurden als "14,14,14" oder dunkler beurteilt und liegen außerhalb der von Jonsson (1998) und Malling
Olsen & Larsson (2003) angegebenen Variationsbreite für
intermedius. Lediglich ein Vogel (=
1,6%) hatte mit "9,10,10" einen für
graellsii typischen Kodak-Wert.
Abb. 9: Variationsbreite bei Amrumer Heringsmöwen Larus fuscus nach der Kodak
Grayscale: Links das hellste Exemplar (9,7), rechts das dunkelste (16), in der Mitte die häufigste Mantelfärbung
(11) (© Andreas Noeske).
Abb. 10: Verteilung der Kodak-Grauwerte bei Amrumer Heringsmöwen Larus fuscus.
74,2% der Vögel liegen im Bereich 11-13, der von Jonsson (1998), Malling Olsen & Larsson (2003) und Howell &
Dunn (2007) als Variationsbreite von intermedius angegeben wird.
Abb. 11: Amrumer Heringsmöwen Larus fuscus mit den drei Kodak-Grauwerten, die
74,2% der Vögel zeigen, im Vergleich zu Vögeln, welche die durchschnittliche Mantelfärbung der jeweiligen Unterart
aufweisen (© Andreas Noeske).
Abb. 12: Variationsbreite bei Amrumer Heringsmöwen Larus fuscus im Vergleich zu
graellsii (© Andreas Noeske).
Abb. 13: Variationsbreite bei Amrumer Heringsmöwen Larus fuscus im Vergleich zu
intermedius (© Andreas Noeske).
Abb. 14: Variationsbreite bei Amrumer Heringsmöwen Larus fuscus im Vergleich zu
fuscus (© Andreas Noeske).
Die im Durchschnitt etwas schlankere, langflügeligere und insgesamt zierlichere Gestalt von fuscus ist in
dieser Abbildung nicht berücksichtigt. Siehe hierzu Abb.15, 31, 33.
Abb. 15: Heringsmöwe Larus fuscus fuscus, Tampere, Finnland, 2. Mai 2004 (© Visa
Rauste).
Farbringkombination: C1AK
Beringt am 1. Juli 1999, nicht flügge, Kangasala/Tampere, Finnland (61° 28' N, 24° 04' E, Google Maps).
Amrumer Grauwerte nach Munsell
Die Munsell-Grauwerte liegen bei
graellsii zwischen 3,3-4,1 (Mittelwert = 3,7), bei
fuscus
zwischen 1,9-2,8 (Mittelwert = 2,3) und bei
intermedius zwischen 2,1-3,5 (Mittelwert = 3,0)
(Barth 1966, 1968; Glutz von Blotzheim & Bauer 1982).
Die Mantelfärbung von Amrumer Heringsmöwen variiert zwischen 1,75-3,5. Der Median beträgt 3,0,
der häufigste Grauwert ist ebenfalls 3,0. Die Variationsbreite wird im Vergleich der Federn mit den
Grautafeln von Munsell (1929) fotografisch dargestellt (Abb.16).
Abb. 16: Variationsbreite bei Amrumer Heringsmöwen Larus fuscus im Vergleich mit
den Grautafeln von Munsell (1929) (© Andreas Noeske).
Die sich für Amrum ergebende Verteilung wird im Vergleich zu den anderen europäischen
Populationen in Abb.17 wiedergegeben. Die geografische Verteilung des häufigsten Grauwertes einer
Population wird in Abb.18 dargestellt. Tab.1 fasst die Daten der Mantelfärbung in verschiedenen
Heringsmöwen-Populationen zusammen.
Abb. 17: Verteilung der Munsell-Grauwerte bei verschiedenen Populationen der
Heringsmöwe Larus fuscus (erweitert nach Barth 1968). Grauwerte im Bereich 2,9-3,2 (grauer Balken)
konnte Barth bei fuscus und graellsii nicht feststellen.
Abb. 18: Westpaläarktisches Brutgebiet der Heringsmöwen-Gruppe Larus fuscus (verändert nach Snow & Perrins 1998, Malling Olsen & Larsson 2003, lintuatlas.fi, Evgeny Potorochin pers. Mitt.). Darüber hinaus brütet die Heringsmöwe auch in W Grönland (Howell & Dunn 2007), auf den Kanaren und Spitzbergen (nach BirdLife International). Zur unterschiedlichen Auslegung des Artumfangs der Heringsmöwe siehe Yésou (2002), Sangster et al. (2007) und Collinson et al. (2008).
Dargestellt sind die geografische Variation der Mantelfärbung in Munsell-Grauwerten (Modalwert der Populationen siehe auch Tab.1, Untersuchungsgebiete verändert nach Barth 1966) und die geografische Variation der Haplotyphäufigkeiten in Kreisdiagrammen (verändert nach Liebers 2000 und Helbig et al. 2004). Weitere Ergebnisse und Interpretationen finden sich auch in Liebers & Helbig (2002): Phylogeography and colonization history of Lesser Black-backed Gulls (Larus fuscus) as revealed by mtDNA sequences).
Tab. 1: Mantelfärbungen bei verschiedenen Populationen der Heringsmöwe Larus fuscus in
Munsell-Grauwerten. Angegeben sind Stichprobenumfang (n), Mittelwert, Median, Modalwert, Variationsbreite und
Verteilung nach der Helligkeit des Mantels in Prozent (erweitert nach Barth 1968). Bei der Verteilung von
schwarzen, dunkelgrauen und hellgrauen Heringsmöwen ist zu berücksichtigen, dass Barth den intermediären
Bereich auf 2,7-3,2 festgelegt hat, was für diese Tabelle übernommen wurde.
Abb. 19: Heringsmöwe Larus fuscus, Helgoland, 20. Juni 2006, 20:36 Uhr (© Martin
Gottschling).
Abb. 20: Heringsmöwe Larus fuscus, Helgoland, 1. Juni 2007, 20:20 Uhr (© Jochen
Dierschke).
Abb. 21: Heringsmöwe Larus fuscus, Helgoland, 16. April 2006, 15:43 Uhr (© Martin
Gottschling).
Abb. 22: Heringsmöwe Larus fuscus, Helgoland, 20. Juni 2006, 19:50 Uhr (© Martin
Gottschling).
Abb. 23: Heringsmöwen-Paar Larus fuscus, Helgoland, 9. Juni 2006, 16:16 Uhr (©
Martin Gottschling).
Anmerkung zur Geschlechtsbestimmung: Der Sexualdimorphismus bei Lariden äußert sich in der
Körpergröße. Die Männchen sind bei einem erheblichen Überschneidungsbereich der Variationsbreiten
durchschnittlich größer. Eine Geschlechtsbestimmung im Feld ist aber nur unter günstigen Umständen möglich,
wenn man beide Partner eines Paares in Nestnähe nebeneinander sieht. Das Männchen ist immer größer als
seine Partnerin. Die Bestimmung ist dann eindeutig, obwohl der Unterschied manchmal kaum zu erkennen ist. Bei
diesem Paar ist der Größenunterschied am Schnabel besonders auffällig. Bestes Einzelmerkmal zur Trennung von
Männchen und Weibchen ist die Schnabel-Kopf-Länge (Coulson et al. 1983).
Diskussion
So seltsam es im 21. Jahrhundert auch klingen mag, auch heute ist unter den Experten noch kein
Konsens gefunden worden, welche Taxa der Heringsmöwe zugeordnet werden sollten. Im Gegensatz
zu Helbig (2005) und Barthel & Helbig (2005), die das Superspezieskonzept anwenden, wird die
Heringsmöwe von Sangster et al. (2007) und Collinson et al. (2008) weiter gefasst und umfasst zusätzlich noch die Formen
heuglini,
taimyrensis und
barabensis. Die Tundramöwe
L. fuscus heuglini
wird hier also lediglich als Unterart der Heringsmöwe gesehen und nicht als stärker differenzierte
Allospezies L. [fuscus]
heuglini (oder kurz
L. heuglini) einer Superspezies
L. [fuscus] mit - im Gegensatz zu
Unterarten - eingeschränkterem Genfluss. Dieses Umsortieren beruht nach den Informationen in
Sangster et al. (2007) nicht auf neuen Erkenntnissen, sondern auf einer anderen Interpretation der
auch Helbig (2005) vorliegenden Arbeiten. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass die Anordnung
der Großmöwenformen auch auf verschiedenen Auslegungen unterschiedlicher Artkonzepte (Helbig
2000) beruht. Während Helbig für eine konsequente Anwendung des um den Superspeziesbegriff
erweiterten Biologischen Artkonzepts plädierte, war/ist Sangster ein Vertreter des Phylogenetischen
Artkonzepts.
Auch wenn es heute gesichert erscheint, dass wir
graellsii,
intermedius und
fuscus als Heringsmöwe im engeren Sinn ansehen dürfen, so wurde selbst das bezweifelt.
Denn in den Niederlanden wurde die Frage nach der Unterartzugehörigkeit der dort brütenden
Heringsmöwen eine Zeit lang völlig anders beurteilt. Nach Vorstellungen der "Commissie Systematiek
Nederlandse Avifauna" (CSNA) der Dutch Birding Association war eine Zuordnung dieser
Heringsmöwen weniger kompliziert, denn nach dem dort durch einzelne Autoren in Mode gebrachten
Phylogenetischen Artkonzept sollte es sich bei
Larus graellsii (Lesser Black-backed Gull) und
Larus fuscus (Baltic Gull) um zwei verschiedene Arten handeln. Da es nach diesem Konzept
keine Unterarten gibt, war das Problem bisheriger Autoren und Beobachter scheinbar gelöst. Es bleibt
allerdings zu bedenken, dass Sangster et al. (1998) - ohne eigene Ergebnisse zu liefern - lediglich
bereits vorliegendes Material zu Unterschieden in Morphologie, Mauser, Nahrungserwerb und
Brutverhalten mangelhaft interpretiert und Unterschiede überstrapaziert haben. Eine nachvollziehbare
Analyse niederländischer Kolonien und die Einordnung der Brutvögel im Vergleich mit den
Nachbarpopulationen fehlen damit nach wie vor. „Es kommt bei weiträumig und insbesondere
kontinuierlich verbreiteten Arten in erster Linie auf die Analyse der regionalen Muster der
geographischen Variation an und nicht auf eine bloße taxonomische Unterteilung dieser Arten in
Subspezies" (Haffer 1985) oder das Splitten in Phylogenetische Arten. Dieser Ansatz der CSNA
wurde im übrigen europäischen Raum daher auch nicht nachvollzogen (AERC TAC 2003) und in
Holland dann wieder verworfen (Sangster et al. 2003).
Der Artstatus von
graellsii (inkl.
intermedius) wird durch Untersuchungen zur genetischen Differenzierung der Heringsmöwen i.w.S. nicht gestützt (Crochet et al. 2002, Liebers & Helbig 2002, Helbig et al. 2004). Die
fuscus- und
graellsii-Populationen zeigen denselben Haplotyp. Die geografische Variation der Haplotyphäufigkeiten bei
graellsii,
intermedius und
fuscus verläuft dabei klinal etwa parallel zur Mantelfärbung (Abb. 18). Die mtDNA-Unterschiede zwischen
fuscus aus SW Finnland und
intermedius sind nur gering ohne Hinweise auf reproduktive Barrieren. Insgesamt gibt es keine Anzeichen für eingeschränkten Genfluss zwischen
fuscus und
graellsii. Das Fehlen von Haplotypunterschieden deutet darauf hin, dass die Trennung zwischen
fuscus und
graellsii ein wesentlich jüngeres Ereignis ist als die Trennung zwischen guten Arten der Großmöwengruppe.
Was ist eine Unterart?
Als Subspezies werden phänotypisch ähnliche Gruppen von Populationen einer Art zusammengefasst,
die ein geographisches Teilgebiet des Artareals bewohnen und sich taxonomisch von anderen
solchen Populationsgruppen der Art unterscheiden (Mayr 1975, Glutz von Blotzheim & Bauer 1985).
Im Gegensatz zur Biologischen Art, die eine real existierende, ökologisch segregierte und reproduktiv
isolierte Einheit der Natur und daher objektiv begrenzt und erkennbar ist, sind Unterarten
Kunstprodukte des menschlichen Ordnungsbedürfnisses, die durch Mittelwertsunterschiede und
Standardabweichungen unscharf und willkürlich gegeneinander abgegrenzt werden. Dabei bleibt es
im Ermessen des Taxonomen, was er für unterscheidbar und taxonomisch relevant hält. Aufgrund
fehlender Genflußbarrieren und „Unterartgrenzen" zwischen den Populationsgruppen sind
Übergangspopulationen mit sukzessiven (klinalen) Merkmalsänderungen eher die Regel als eine
Ausnahme. Auch Populationen an den Enden eines Merkmalsgradienten/einer Kline sollten selbst bei
voller Diagnostizierbarkeit (z.B. Mantelfärbung bei
fuscus und
graellsii) nicht als Arten
angesehen werden, da der Genfluß nur durch die Entfernung, nicht aber durch intrinsische Barrieren
eingeschränkt ist. Solche diagnostizierbaren Populationen rechtfertigen eine Benennung als Unterart
(Helbig et al. 2002). Während jede Rosenmöwe aufgrund der arttypischen
autapomorphen Merkmale
jederzeit und an jedem Ort diagnostizierbar und eindeutig dem Taxon
Rhodostethia rosea
zuzuordnen ist, gilt dies nicht für jede Heringsmöwe bei der Zuordnung zu
fuscus,
intermedius oder
graellsii. Ohne einen zeitlichen und räumlichen Zusammenhang sind
viele Heringsmöwen nicht einem der drei Taxa zuzuordnen.
Zur praktischen Abgrenzung von Unterarten
Um zu starker taxonomischer Willkür durch eine Überbetonung lokaler Unterschiede
nomenklatorische Grenzen zu setzen, hat Amadon (1949) mit der sogenannten 75%-Regel ein
sinnvoll erscheinendes Maß zur Abgrenzung von Unterarten vorgeschlagen, das weite Anerkennung
gefunden hat (Patten & Unitt 2002, Haig et al. 2006). „Danach wird eine Population als gültige Unterart
gewertet, wenn 75% der Individuen sich von „allen" (= 97%) Individuen einer bereits aufgestellten
Unterart unterscheiden. Im Schnittpunkt der beiden Kurven, für die dies zutrifft, werden rund 90% der
Individuen aus einer Population A von rund 90% der Individuen der Population B verschieden sein
(bezogen auf eine symmetrische Verteilung)" (Mayr 1975).
Abb. 24: Verteilung der Mantelfärbungen in Munsell-Grauwerten bei den drei Unterarten der
Heringsmöwe Larus fuscus, Populationen zusammengefasst nach Abb.17. Bei intermedius wurden
die Daten von Barth (1966) für den Bereich von der Westküste Dänemarks bis Bornholm (Gebiet L, Tab.1) nicht
berücksichtigt, da der östliche Teil vom Öresund bis Bornholm nach Glutz von Blotzheim & Bauer (1982) und
Jonsson (1998) zu fuscus gehört. Der Amrumer Anteil an intermedius ist hellgrau eingefärbt. Zur
optischen Anpassung wurden die Amrumer Werte (1,75; 2,25; 2,75; 3,25) in dieser Darstellung aufgerundet.
Angegeben sind Stichprobenumfang (n), Anzahl der Vögel pro Grauwert, Mittelwert, Median (hochgestellt) und
Grauwertbereich (schwarzer Querbalken bzw. hellgrau für Amrum), in den etwa 90% der Vögel fallen
(Scheitelpunkt der Kurve beim Median). Der Überschneidungsbereich von intermedius/fuscus ist
hellblau eingefärbt.
Obwohl auch statistische Verfahren letztlich nicht über die Willkür und Künstlichkeit bei der
Abgrenzung von Unterarten hinwegtäuschen können, lassen sich die Unterarten der Heringsmöwe
nicht nur phänotypisch sondern auch genotypsich gut begründen. Die drei Unterarten sind
mitochondrien-genetisch signifikant voneinander verschieden, wobei
intermedius der
Nominatform
fuscus sogar näher steht als
graellsii. Dies spricht auch klar gegen den
Versuch,
fuscus unter Ausschluss der beiden anderen Taxa Artrang zuzuweisen, da die
Gruppierung
intermedius/graellsii paraphyletisch wäre (Liebers 2000).
Abb. 25: Variationsbreite der Mantelfärbung bei der Heringsmöwe Larus fuscus mit
den Graubereichen, die Jonsson (1998), Malling Olsen & Larsson (2003) und Howell & Dunn (2007) nach der
Kodak-Skala für die drei Unterarten angeben.
Die Abgrenzung von intermedius* schließt nach diesen Autoren lediglich die Lücke zwischen
graellsii und fuscus und gibt die wahren Verhältnisse falsch wieder. Hiernach entsteht eher der
Eindruck einer starken Orientierung an starren Museumsschubladen als an lebenden Populationen. Die bereits von
Barth (1966, 1968) und Glutz von Blotzheim & Bauer (1982) erwähnte große Variabilität (Munsell-Werte für L. f.
intermedius = 2,1-3,5) wird von diesen Autoren ignoriert. Dagegen wird die tatsächliche Variationsbreite einer
intermedius-Population durch die Amrumer Vögel angemessen wiedergegeben. Vögel, deren Mantelfärbung
außerhalb der von diesen Autoren angegebenen Variationsbreite liegen, können in der Deutschen Bucht nicht als
graellsii oder fuscus bestimmt werden.
In Mischgebieten haben Vögel mit z.B. einer für
intermedius typischen Mantelfärbung nicht
zwangsläufig auch alle anderen Merkmale, die man normalerweise mit
intermedius assoziiert.
Vielmehr entwickelt sich bei einer Population, die mit benachbarten Populationen im Genaustausch
steht, ein Merkmalsmosaik, so dass z.B. bei den „Dutch intergrade"-Kolonien die Merkmale in der
unterschiedlichsten Weise kombiniert sein können und auch in den
intermedius-Kolonien
Amrums und Südnorwegens Vögel auftreten, die phänotypisch von
fuscus oder auch von
graellsii nicht zu unterscheiden sind.
"Dutch intergrade"
Die AERC (ohne Datum) zählt die Niederlande zum Verbreitungsgebiet von
intermedius,
während andere Autoren die holländischen Vögel zu
graellsii stellen (Liebers 2000, Liebers &
Helbig 2002, Helbig et al. 2004, Muusse et al. 2005). Nach Malling Olsen & Larsson (2003) ist der
subspezifische Status u.a. auch in den Niederlanden aufgrund der weitreichenden klinalen Variation
unsicher. Im Vergleich zu Amrum ist eine Verschiebung zu helleren Grauwerten deutlich, die den
Einfluß britischer Heringsmöwen (BTO-Ringnachweise,
http://www.gull-
research.org/miscellaneous/lbbgbto.html) auf holländische Kolonien anzeigt. Auch wenn nach
den Haplotyp-Häufigkeiten die holländischen Heringsmöwen den britischen
graellsii am
nächsten stehen (Liebers & Helbig 2002), so sind sie im Durchschnitt etwas dunkler. Der Begriff
„Dutch intergrade" ist eine sprachliche Hilfskonstruktion, die die Situation in Holland vermutlich am
besten beschreibt, denn die Zuordnung dieser Population zu
graellsii oder
intermedius
unterstellt eine Identität mit der britischen oder südskandinavischen Population, die in diesem
Übergangsbereich tatsächlich wohl nicht vorhanden ist. Die treffendste Antwort auf die Unterartfrage in
den Niederlanden dürfte schon Teixeira (1979) gegeben haben. Nach seiner Meinung sind die
Niederlande gleichzeitig von Westen und Nordosten besiedelt worden, wobei es im Laufe der Zeit zu
einer Vermischung der
graellsii- und
intermedius-Vögel gekommen ist, so dass heute
eine genaue subspezifische Zuordnung der Population nicht mehr möglich ist. Britische Ringvögel und
der geringe aber doch vorhandene Anteil schwarzmanteliger Exemplare (Kodak 14 und 15) machen
den Genaustausch in holländischen Kolonien mit anderen Populationen deutlich.
Abb. 26: Verteilung der Kodak-Grauwerte in einer Kolonie der Heringsmöwe Larus
fuscus auf Amrum im Vergleich zur Variation in einer Kolonie bei Moerdijk/Niederlande (Daten nach Muusse et
al.). Die Moerdijk-Grauwerte wurden nach der Agfa Greyscale ermittelt, die lt. Mars Muusse (in litt.) identisch mit
der Kodak Grayscale sein soll. Für die vergleichende Darstellung wurden die 0,3- und 0,7-Schritte bei Amrumer
Möwen zu 0,5-Werten zusammengefasst. Die Prozentzahlen geben den Anteil im jeweiligen Graubereich in den
beiden Kolonien an.
Abb. 27: Heringsmöwe Larus fuscus, Brutkolonie im Hafen von Zeebrügge,
Belgien, 27. Mai 2005 (© Erwin van Laar).
Siehe auch http://www.birdpix.nl/album_page.php?pic_id=21172 und http://www.keeponbirding.com/foto.jsp?id=489&parentId=162.
Vergleiche mit K3 intermedius beringt in Lindesnes/S Norwegen: http://www.gull-
research.org/lbbg3cyb/j4a3.htm.
Die taxonomische Stellung der Amrumer
Heringsmöwen
Die Ausbreitungsgeschichte der Heringsmöwe im 20. Jahrhundert weist die mitteleuropäische
Nordseeküste als Zone sekundärer Intergradation aus. Vor allem südskandinavische
intermedius-, im Südwesten auch britische
graellsii- und wohl auch in geringer Zahl
fuscus-Vögel haben die noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestehende Verbreitungslücke in
einer sekundären Kontaktzone geschlossen.
Eine Charakterisierung der Amrumer Vögel nur aufgrund der Mantelfärbung würde die Verhältnisse zu
sehr vereinfachen, so dass sich durch die Hinzunahme der biometrischen Daten ein vollständigeres
Bild ergibt. In den Körpermaßen vermitteln die Heringsmöwen der schleswig-holsteinischen
Westküste zwischen der britischen
graellsii- und der südskandinavischen
intermedius-
Population. Deutlicher fallen die Unterschiede zu norwegischen Vögeln der Nominatform aus (Noeske
1989). Hiernach ergibt sich für die Heringsmöwen Amrums das Bild einer heterogen
zusammengesetzten Population, die Merkmale aller drei Unterarten in sich vereinigt. Der von
Terschelling stammende Vogel (Abb.28) und der hohe Anteil sehr dunkler Heringsmöwen machen die
unterschiedlichen Einflüsse auf die deutsche Population deutlich.
Nach der Mantelfärbung sind die Heringsmöwen an der deutschen Nordseeküste in die
intermedius-Population einzuordnen, was den Ursprung dieser Brutvögel am besten zu
beschreiben vermag. Dieses Ergebnis ist deckungsgleich mit den Ergebnissen von Liebers (2000) auf
der mitochondrien-genetischen Ebene.
„Mitochondrien-genetisch sind alle fünf [Anm.: Heringsmöwen-] Taxa nah verwandt, aber signifikant
voneinander differenziert … Der Populationsstammbaum zeigt eine Zweiteilung in „westliche" und
„östliche" Heringsmöwen … In der Zusammensetzung der Haplotypen gibt es keine Unterschiede
zwischen den drei
graellsii-Populationen.
Intermedius steht der Nominatform
fuscus näher als
graellsii" (Liebers 2000).
Abb. 28: Große Flügeldecken im Vergleich mit den Grautafeln von Munsell (1929) (© Andreas Noeske), beurteilt als Munsell 2,9 (1986), als Munsell 3,0 bzw. Kodak 11,7 (2007): Ringnummer Arnhem 5105925, beringt am 12. Juli 1976, nicht flügge, Tweede Duintjes, Terschelling, Holland (53° 25' N, 05° 28' E, Google Maps), gefangen am 2. Juni 1986, brütend, NSG Amrum-Odde, Deutschland (54° 42' N, 08° 21' E).
Von Olaf Ekelöf (pers. Mitt.) wurden auch unter den Brutvögeln auf der Helgoländer Düne drei Heringsmöwen mit Arnhem-Metallringen beobachtet, von denen folgende Rückmeldung vorliegt: Ringnummer Arnhem 5348046, beringt am 5. Juli 2001, nicht flügge, Westerduinen, Texel, Holland (53° 03' N, 04° 43' E, Google Maps), Ring abgelesen am 13. Mai 2007 als Brutvogel, Helgoland, Deutschland (54° 11' N, 07° 55' E, Google Maps).
Im Mai 2007 konnte auch ein brütender Vogel mit Madrid-Metallring ablesen werden. Überwiegend handelte es sich aber bei den beringten Vögeln um solche, die in den Jahren zuvor auch auf der Düne beringt worden waren. Bei einem weiteren Altvogel mit blauem Codering bleibt unklar, ob es sich um einen belgischen Brutvogel gehandelt hat (Olaf Ekelöf pers. Mitt.): Ringnummer L904895, rechts dunkelblauer Farbring mit weißem Code DC.AF, beringt am 12. Juni 2006, adult, Zeebrügge, Belgien (51° 21' N, 03° 11' E, Google Maps), beobachtet am 20. Mai 2007, Helgoland, Deutschland (54° 11' N, 07° 55' E).
Der Status von fuscus- und graellsii-Vögeln an der
deutschen Nordseeküste
Abb. 29: Heringsmöwe Larus fuscus, Helgoland, 3. Juni 2007, 11:09 Uhr (© Stefan
Pfützke).
Während sich in den Niederlanden britische graellsii als Brutvögel angesiedelt haben, fehlen solche
Nachweise bislang aus deutschen Möwenkolonien. Vögel, die so hellgrau erscheinen wie in dieser Abbildung,
wurden und werden immer noch als graellsii bestimmt. Dabei ist das Überqueren der Nordsee durch
britische Vögel eine Ausnahme. Nach Ringfunden beurteilt treten britische Heringsmöwen in Deutschland wohl
etwa so selten auf wie nordskandinavische fuscus in der Deutschen Bucht (Glutz von Blotzheim & Bauer
1982, Wernham et al. 2002). Ohne Ring sind britische graellsii in Deutschland nicht nachweisbar.
Unter den Vögeln der Amrum-Odde fällt ein Exemplar mit tief schwarzem Mantel auf, das mit einem
Grauwert von 1,75 bzw. 16 außerhalb der bisher beschriebenen Variationsbreite von
intermedius liegt und zu den dunkelsten Heringsmöwen überhaupt gehört. Eine solche
Mantelfärbung wurde bisher nur bei Heringsmöwen der Nominatform festgestellt. Diese „schwarzen"
Vögel haben daher wiederholt zu der Ansicht geführt, dass sie nordskandinavischer oder baltischer
Herkunft sind.
Abb. 30: Brutpaar der Heringsmöwe Larus fuscus in der Kolonie der Amrum-Odde im
Mai/Juni 1986 (© Andreas Noeske).
Das kleinere, schwarzmantelige Weibchen ist von fuscus-Vögeln aus dem baltischen Raum auch
strukturell nicht zu unterscheiden. Für diesen Vogel ist nicht auszuschließen, dass er aus weit nördlicher oder
östlicher gelegenen Gebieten stammt.
Vergleiche mit Abb.31 und mit http://www.xs4all.nl/%7edaarruud/fuscus3a.html.
Abb. 31: Heringsmöwe Larus fuscus fuscus, Tampere, Finnland, 2. Mai 2004 (© Visa
Rauste).
Farbringkombination: C1C2
Beringt am 30. Juni 1996, nicht flügge, Kangasala/Tampere, Finnland (61° 28' N, 24° 04' E, Google Maps).
Vergleiche mit Abb.30.
Jonsson (1998) hat zu einer möglichen Unterscheidung von
fuscus und
intermedius
eine erste Arbeitshypothese formuliert. Danach sollen adulte
fuscus im Zeitraum Ende
August/September anhand der folgenden Merkmalskombination zu bestimmen sein: Schwarzer
Mantel mit 50% oder mehr bräunlich-schwarzen Schulterfedern, weißer, ungestrichelter Kopf und
unvermauserte innere Handschwingen. Während Jonsson dies damals noch für ausreichend hielt,
wird durch neuere Arbeiten die Eignung dieser Merkmalskombination in Frage gestellt oder sogar als
ungenügend betrachtet (Adriaens 2002, AERC TAC 2003, Gibbins 2004, Muusse et al. 2005, Gibbins
& Baxter ohne Datum, Muusse et al. ohne Datum). Zur Unterscheidung gegenüber
intermedius, die eine sehr ähnliche Merkmalskombination zeigen können, werden derzeit aber
Merkmale herangezogen, die bisher überhaupt nicht quantifizierbar sind. Das folgende Denkmodell
soll daher ungefähr den quantitativen Rahmen zum Auftreten von
fuscus-Vögeln an der
deutschen Nordseeküste abstecken. Obwohl es teilweise bereits publizierte quantitative Angaben
einbezieht, enthält es viele unbekannte Faktoren, die in diesem Unschärfebereich wirksam sind.
Ringfunde finnischer
fuscus zeigen, dass <1% dieser Population im Herbst eine südwestliche
Zugrichtung einschlägt (Visa Rauste in Steffen 2004,
Ringfunde finnischer fuscus). Die Baltische Heringsmöwe ist schon westlich einer
Linie Kiel-Genf-Marseille als sehr selten anzusehen und gilt im gesamten Nordseeraum als
Ausnahmeerscheinung (Glutz von Blotzheim & Bauer 1982, Kilpi & Saurola 1983, 1984, Jonsson
1998, Steffen 2004). Da norwegische und schwedische
fuscus wie finnische aus ihren
Brutgebieten nach Süden bis Südosten abziehen, kann der Anteil von <1% mit westlicher Flugroute für
die gesamte
fuscus-Population angenommen werden. Der Gesamtbestand für
fuscus
wird mit 55.500 Vögeln angegeben (Wetlands International 2006, zit. in
http://dda-web.de Vögel in Deutschland; Schätzung des Gesamtbestandes =
Anzahl Brutpaare x 3, Simon Delany pers. Mitt.), womit sich für diese Unterart in der Deutschen Bucht
im Herbst ein theoretisches maximales Potenzial von 555
fuscus-Heringsmöwen ergibt. Zur
Abschätzung des Altvogelanteils werden zum einen die herbstlichen Jungvogel und der hohe Anteil
immaturer Möwen bei den Ringnachweisen berücksichtigt, zum anderen der Anteil von gewöhnlich
>70% Altvögeln im afrikanischen Winterquartier (Lagos/Nigeria, November bis März; Wallace zit. in
Glutz von Blotzheim & Bauer 1982). Danach könnte man theoretisch im Bereich der Deutschen Bucht
mit nicht mehr als 250-400 adulten/subadulten Vögeln rechnen (50-70% von 555 Heringsmöwen), die
die von Jonsson (1998) für
fuscus beschriebene Merkmalskombination aufweisen und
tatsächlich aus dem Verbreitungsgebiet der Unterart
fuscus stammen. Aufgrund der höheren
Beobachtungsdichte in Westeuropa im Vergleich zu den Gebieten an der normalen östlichen
fuscus-Flugroute könnte dabei der tatsächliche Anteil der westlich orientierten
fuscus
noch sehr viel kleiner als 1% sein. Dieses theoretische Potenzial konnte z.B. in den Niederlanden bis
2007 nur durch drei adulte
fuscus bestätigt werden, die als Nestlinge in Finnland beringt
wurden (Ruud Altenburg pers. Mitt.) und auch in Großbritannien mit extremer Beobachterdichte gelang
der erste Nachweis von
fuscus erst durch einen beringten adulten Vogel im April 2007 (Stewart
2007).
Dem stehen die deutschen und skandinavischen
intermedius-Vögel gegenüber, die in der
Deutschen Bucht auftreten (können) und von denen ein vermutlich nicht geringer Teil mit gleicher
Merkmalskombination auszuschließen ist. Der Rastbestand dieser Unterart wird von Wetlands
International (2006) mit 325.000 - 440.000 Vögeln angegeben, wovon etwa 50-70% (= 162.500 –
308.000) auf adulte/subadulte Möwen entfallen. In den Überschneidungsbereich der Mantelfärbung
(2,1-2,8) zwischen
fuscus und
intermedius fallen bei
intermedius 40,0% (=
65.000 – 123.200 Vögel, Tab.2, Abb.17). Nach Beobachtungen von Klaus Malling Olsen haben 5-10%
(überwiegend dunkle
intermedius) im Winterquartier (Dänemark, Großbritannien, Frankreich,
Marokko) ebenso weiße Köpfe wie dies bei
fuscus die Regel ist, d.h. es bleiben danach immer
noch mindestens 3.250 – 6.160 Vögel (= 5%), die nach der Mantelfärbung und dem weißen Kopf nicht
von
fuscus zu unterscheiden sind. Größe, Struktur und Mauserzustand sind zwar weitere
Indizien bei der Bestimmung von
fuscus, sie sind aber keine sicheren Merkmale (Rauste 1999,
Muusse et al. 2005, Muusse et al. ohne Datum,
http://www.xs4all.nl/%7edaarruud/fuscus3h.html) und Gibbins (2004) meint,
dass spät mausernde
intermedius wahrscheinlich nicht so selten sind, wie Jonsson (1998)
annimmt.
Abb. 32: Überschneidungsbereich der Mantelfärbung zwischen fuscus und
intermedius und deren Anteil am ungefähren Graubereich. Dargestellt ist die tatsächliche Mantelfärbung im
fast stufenlosen Kodak-Bereich 13-14,5. Dieser entspricht etwa dem Bereich 2,1-2,8 nach Munsell, vergleiche mit
der Überschneidung zwischen Heringsmöwen von Tarva (fuscus) und Lindesnes-Kristiansand
(intermedius) (Abb.17).
Abb. 33: Heringsmöwe Larus fuscus fuscus, Stockholm, Schweden, 14. Juni 2006
(© Martin Lofgren).
Weitere Fotos unter http://www.wildbirdgallery.com/images/birds/larus_fuscus/fuscus.htm.
Abb. 34a: Heringsmöwe Larus fuscus intermedius, Bergen, Norwegen, 2. April 2002
(© Frode Falkenberg).
Weitere Fotos unter http://cyberbirding.uib.no/gull/.
Vergleiche mit http://www.wildbirdgallery.com/images/birds/larus_fuscus/intermedius.htm.
Die relativ langen Flügel und kurzen Läufe zusammen mit der etwas geringeren Körpergröße verleihen der Baltischen Heringsmöwe eine elegante Erscheinung. Die Handschwingenprojektion von
fuscus ist auffallend groß und nach Rauste (1999) "doppelt so lang wie der Überstand der längsten Schirmfeder über die Großen Armdecken". Gibbins (2004) hat erstmals versucht, diesen strukturellen Unterschied gegenüber
intermedius zu quantifizieren. Nach seinen Messungen von Fotos stehender Vögel war das durchschnittliche Verhältnis Handschwingenprojektion/Länge des Tarsometatarsus (= Tarsus/Lauf, gemessen von der Mitte des Intertarsalgelenks bis zum Boden = red/yellow1 in Abb. 34b) bei
fuscus 1,3 (1,0 - 1,37; n = 15), bei
graellsii 0,98 (0,78 - 1,1; n = 15).
Intermedius lag näher an
fuscus mit einem mittleren Quotienten von 1,16 (1,1 - 1,2; n = 10). Werte > 1,2 sollten für
fuscus sprechen. Aufgrund von Mauser oder Abnutzung ist die Handschwingenprojektion vieler
fuscus allerdings kleiner und überlappt mit
intermedius, so dass ein Vogel mit einem Wert von 1,1 - 1,2 sowohl auf
fuscus als auch
intermedius hindeutet. Gibbins gibt aber auch zu bedenken, dass sein Ansatz an einer größeren Stichprobe zu bestätigen wäre. Die testweise Anwendung dieses Ansatzes an einem Foto norwegischer
intermedius deutet auf eine möglicherweise hohe Fehlerquote hin, denn Beobachtungen beringter Vögel zeigen, dass
intermedius strukturell keineswegs einheitlich ist (Mars Muusse in Gibbins 2004).
Abb. 34b: Heringsmöwe Larus fuscus intermedius, Bergen, Norwegen, 2. April 2002
(© Frode Falkenberg).
Tab. 2: Überschneidungsbereiche der Mantelfärbung zwischen verschiedenen fuscus- und
intermedius-Populationen (siehe Abb.17), UG = Untersuchungsgebiete (siehe Tab.1), n =
Stichprobenumfang, ÜB = Überschneidungsbereich zwischen den jeweils verglichenen Populationen, nÜB =
Anzahl der Vögel der jeweiligen Population im Überschneidungsbereich, nÜB/n % = prozentualer Anteil der Vögel
im ÜB im Vergleich zum Stichprobenumfang. Das Gebiet Dänemark - Skåne (L) wird bei diesem Vergleich nicht
berücksichtigt, da hier keine klare Trennung zwischen dänischen intermedius und schwedischen
fuscus vorliegt.
Die Angaben von Jonsson (1998) zum Überschneidungsbereich intermedius/fuscus sind nicht
repräsentativ, da sie sich nur auf Teilgebiete der schwedischen West- und Ostküste beziehen. Darüber hinaus
bleiben seine Berechnungen unklar, da weder Stichprobenumfänge, exakte Variationsbreiten,
Überschneidungsbereich noch jeweiliger Anteil sich überschneidender Vögel bei fuscus und
intermedius angegeben werden.
In Westeuropa ist auch eine Kombination von schwarzem Mantel mit bräunlichem Anflug, weißem
Kopf, Mauserzustand der inneren Handschwingen, nur einem weißem Subapikalspiegel auf HS 10,
geringer Größe und strukturellen Merkmalen nicht diagnostisch für
fuscus (Abb.35).
Dem theoretischen Potenzial von 250-400 adulten/subadulten
fuscus-Vögeln könnten in der
Größenordnung etwa 3.000 - 6.000
intermedius-Vögel gegenüber stehen, die nach
Mantelfärbung und weißem Kopf (im Herbst/Winter) nicht von
fuscus zu unterscheiden sind.
Wenn Größe, Struktur und Mauserzustand als weitere Indizien diese Anzahl von
fuscus-
ähnlichen
intermedius-Vögeln auf angenommen 10% reduzieren, läge ein theoretisch
mögliches Verhältnis von adulten/subadulten
fuscus- zu
intermedius-Vögeln, die im
Herbst an der deutschen Nordseeküste diese Merkmalskombination möglicherweise zeigen, bei etwa
1:1 (250-400
fuscus zu 300-600
intermedius). Hiernach könnte also die
Irrtumswahrscheinlichkeit für die bei Steffen (2004) als
fuscus-Nachweis deklarierte
Beobachtung einer K3-Heringsmöwe vom 29. Oktober 2003 durchaus bei 50% liegen.
Der spekulative Rahmen in diesem Grenzbereich der Vogelbestimmung wird durch dieses
Denkmodell quantitativ nur näherungsweise beschrieben. Eingedenk der Tatsache, dass der Genfluß
an den von Taxonomen willkürlich definierten „Unterartgrenzen" keinen Halt macht und der Übergang
von
fuscus zu
intermedius zumindest in der Mantelfärbung klinal ist, bleibt die
Schwierigkeit bestehen, einen seriösen
fuscus-Nachweis ohne Ringablesung zu erbringen. Die
Niederländische Seltenheitenkommission CDNA hat auf diese Schwierigkeiten reagiert und alle
angeblichen
fuscus-Beobachtungen ohne Herkunftsnachweis durch einen Ring gestrichen
(van der Vliet et al., Cottaar 2005) und auch das British Birds Rarities Committee BBRC geht nach
dem gegenwärtigen Kenntnisstand davon aus, dass
fuscus im Feld als
vagrant in Westeuropa
nicht bestimmbar ist, obwohl die Jonsson-Kriterien im Baltikum durchaus zur Anwendung kommen
können (Colin Bradshaw pers. Mitt.). In Übereinstimmung mit der oben kalkulierten hohen Fehlerquote
meinte schon Gibbins (2004), dass die Bestimmung von K3
fuscus eher Ansichtssache ist.
Abb. 35: K3 Heringsmöwe Larus fuscus intermedius, Westkapelle, Holland, 2.
September 2003 (© Mars Muusse).
Ringnummer: NOS 4217224
Beringt am 19. Juli 2001, nicht flügge, Hellersoy, Sogne, Vest-Agder, S Norwegen (58° 01' N, 07° 49' E, Google Maps).
Auf Populationsebene lassen sich zwar unter anderem Unterschiede in der Mantelfärbung, Größe, Struktur und
Mauser ausmachen, für eine Zuordnung von Einzelvögeln ist auch weiterhin eine Kombination mehrerer Merkmale
nicht ausreichend, um adulte fuscus und intermedius oder intermedius und graellsii
zu unterscheiden. Die Bestimmung unberingter britischer graellsii oder baltischer fuscus an der
deutschen Nordseeküste bleibt weiterhin hochgradig spekulativ.
Weitere Fotos dieses Vogels unter http://www.gull-research.org/lbbg3cyc/nos4217224.htm, vergleiche mit http://www.xs4all.nl/%7edaarruud/fuscus3b.html.
An der deutschen Nordseeküste ist die Zuordnung einzelner Vögel mit besonders dunklem oder sehr
hellem Mantel zur baltischen bzw. britischen Population auch in Kombination mit weiteren Merkmalen
aufgrund der Variation der Merkmalskombinationen innerhalb der Taxa weiterhin unmöglich. Viele
Beobachter werden durch die oft als quälend empfundene diffizile Möwenbestimmung ohnehin bis
über ihre Grenzen gefordert und die enorme Variabiliät der verschiedenen Kleider mit unzähligen
Ausnahmen sprengt dabei wohl bei den meisten die Aufnahmefähigkeit und Nachvollziehbarkeit. Da
kommt es als willkommener Trost, wenn selbst Experten meinen, dass das wohl beste
Bestimmungskriterium für die in Westeuropa seltenen
fuscus-Vögel der richtige Ring ist
(AERC TAC 2003, Muusse et al. 2005, Gibbins & Baxter).
Danksagung
Ich bedanke mich besonders beim Verein Jordsand, bei Prof. Dr. D. Mossakowski und Dr. G. Vauk, ohne deren Unterstützung diese Arbeit nicht möglich gewesen wäre. Stefan Pfützke war mir auf verschiedene Weise besonders behilflich. Ralf Aumüller, Jochen Dierschke, Martin Gottschling, Axel Halley und Thorsten Krüger machten letzte Verbesserungsvorschläge am Manuskript. Christoph Zöckler war freundlicherweise beim englischen Text behilflich. Darüber hinaus bedanke ich mich für ihre Unterstützung bei Sven Achtermann, Peter Adriaens, Ruud Altenburg, Colin Bradshaw, Andreas Buchheim, Simon Delany, Volker Dierschke, Ralf Eikhorst, Olaf Ekelöf, Frode Falkenberg, Miel Ferdinande, Bernd-Olaf Flore, Chris Gibbins, Jukka Haapala, Jürgen Haffer, Susan Haig, Risto Juvaste, Alex Kaat, Antero Lindholm, Martin Lofgren, Pat Lonergan, Carl Erik Mabeck, Klaus Malling Olsen, Mars Muusse, Hans Wolfgang Nehls, Evgeny Potorochin, Laurent Raty, Visa Rauste, Gabriel Schuler, Joachim Seitz, Dietrich Sellin, Rainer Sottorf, Konrad Thye, Norbert Uhlhaas und Erwin van Laar.
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Andreas Noeske, Bremen,